Das
arabische Wort Djoze bedeutet "Nuß". Dementsprechend wird die
Djoze im Irak aus der Schale einer Kokosnuss
hergestellt, die man halbiert. Die Öffnung wird mit einer
Fischhaut
oder einer Rinderherzmembran
verschloßen. Auf diesem Klangkörper sitzt ein Hals aus Sandel-
oder Nussholz auf. Vier Saiten
spannen sich über Hals und Körper. Sie sind zwar mit Violinsaiten
identisch, also aus Darm, Metall oder Kunststoff, jedoch anders
als bei einer Violine nicht auf G, d, a und e', sondern G, d,
g und d' gestimmt. Gespielt wird die Djoze, indem man sie mit
einem Spiess auf das linke Knie
aufsetzt, mit der linken Hand greift und mit dem rechten Arm
mit einem Bogen am Übergang zwischen Hals und Körper streicht.
Der gerundete Bogen entspricht einem Violinbogen aus dem Barock.
Die Djoze weist also in Bau und Spieltechnik eine gewisse Ähnlichkeit
mit einer Violine auf, daher auch die deutsche Bezeichnung Knie-
oder Spiessgeige.
Die
Djoze ist eines der ältesten bekannten Musikinstrumente der
Welt. Ein in der sumerischen Stadt Ur gefundenes Steinrelief
belegt, dass dort bereits vor 5000 Jahren eine der Djoze sehr
ähnliche Kniegeige gespielt wurde. Sie wurde vermutlich bei
mystischen Zeremonien in den Tempeln verwendet. Im Laufe der
Jahrtausende hat sich das Instrument im Irak nur wenig verändert,
lediglich die Zahl der Saiten erhöhte sich von eine auf vier,
womit Tonumfang und Spielmöglichkeiten erweitert wurden. In
anderem Ländern,
in denen die Djoze Verbreitung fand, variieren dagegen sowohl
Bezeichnung als auch Ausstattung:
die ägyptische Rabab hat nur ein der zwei Saiten, die iranische,
türkische und kaukasische Kamanje mit drei oder vier Saiten
ist grösser, die indische und chinesische Rabab hat einen längeren
Hals und verfügt über nur zwei Saiten. Zum Teil wird statt der
Kokosnuss auch Nussbaumholz verwendet.
Bassem
Hawar selbst hat einige der wichtigsten Neuerungen eingeführt,
die der Djoze zu besserem Klang und breiteren Spielmöglichkeiten
verhelfen. So verschloß er z. B. den hinten offenen Kokosnusskörper
und liess den Hals sich nach oben verjüngen. Dies ermöglichte
es ihm, die Djoze nicht mehr nur als Begleitinstrument für Gesangsstücke
einzusetzen, wie in der klassisch-arabischen Musik üblich, sondern
sie als eigenständiges Soloinstrument zu etablieren.